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MFF Experte für Deutsche Kurzwaffen ab 1871
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Beiträge: 28
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Der F.L. Selbstlader wurde lediglich im Zeitraum von 1915 -1918 von der Langenhan-Gewehr- und Fahrradfabrik in Zella-Mehlis gebaut.
Versucht man über die "Langenhan-Pistole" Näheres zu erfahren, dann muss man feststellen, dass es zu diesem Thema kaum Brauchbares und leider häufig viel Falsches zu lesen gibt. Die allgemeine Literaturlage ist spärlich. Dies erstaunt um so mehr, da die Firma Langenhan eines der ältesten Traditionshäuser des Waffenbaus in Zella-Mehlis darstellt, denn Valentin Friedrich Langenhan aus Mehlis hat zusammen mit seinem Vater, Johann Gottlieb Langenhan, bereits um 1840 Waffenteile sowie Werkzeuge hergestellt. Es war die Firma Langenhan, die schon frühzeitig eine Revolverproduktion aufgenommen hatte. 1873 erhielt sie vom Sächsischen Kriegsministerium den Auftrag, 4000 des von Langenhan entwickelten Revolvers Modell 1873 ( "Sachsenrevolver") zu liefern. Danach fertigte Langenhan u.a. Jagdgewehre, Teschings, Leuchtpistolen, Luftgewehre und -pistolen und später auch Selbstladepistolen. Bemerkenswert ist, dass die Firma als zweites Standbein eine Fahrradfabrikation aufnahm und unter der Marke "Meteor" ein sehr erfogreiches Produkt auch international vermarktete. Noch zu Beginn des 2. Weltkriegs waren über 400 Beschäftigte im Werk Langenhan vorwiegend mit der Fertigung von Maschinengewehrteilen tätig. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Firma Bestandteil eines Kombinates der DDR mit dem beziehungsreichen Namen "Meteor". Es sei noch kurz am Rande vermerkt, dass Suhl heute zu unrecht als "die" Waffenschmiede Deutschlands vor dem 2. Weltkrieg gilt, denn die meisten Waffenproduzenten saßen in Zella-Mehlis. Vom FL Selbstlader werden nach Still vier Varianten unterschieden: 1.Variante: # 01 - etwa # 13200 Der Rahmen ist auf der rechten Seite für das Auswurffenster geöffnet. Die Waffe weist einen "langen" Sicherungshebel auf, der sich am Zifferblatt einer Uhr orientiert von "Sicher" 7.00 Uhr bis "Feuer" 13.00 Uhr bewegen lässt. Die linke Seite des Schlittens ist bis etwa # 3000 mit - D.R.P. ANGEM FL Selbstlader Cal 7,65 - beschriftet, danach mit - F.L. Selbstlader D.R.G.M. 625263 -. Diese Pistolen sind mit schwarzen Hartgummigriffschalen bestückt. Die militärisch abgenommenen Waffen sind in diesem Bereich auf der linken Seite mit Krone / R gestempelt. 2. Variante: # 13200 - etwa # 52000 Das Auswurffenster ist nun einem geschlossenen Rahmen gewichen. Auf der rechten Rahmenseite befindet sich die Beschriftung - F.L. Selbstlader D.R.G.M. 625263 - 633251 -. Wie bei der 1. Variante liegen immer noch die "lange" Sicherung sowie die Hartgummigriffschalen vor. Interessant wird es bei den kaiserlichen Abnahmestempeln, die sich von Krone/ P # 17990 zu Krone/ M # 18765 verändern, wobei # 26162 mit Krone/ D abgenommen ist. Ab etwa # 18000 sind nahezu alle F.L. Selbstlader des Militärs mit Krone/ M abgenommen worden. 3. Variante: # 52000 bis etwa # 66000 Alle Beschriftungen sind wie gehabt. Die Pistolen haben jetzt eine "kurze" Sicherung mit "Sicher" bei 2.00 Uhr und "Feuer" bei 9.00 Uhr sowie längsgerillte Holzgriffschalen. Die Verarbeitung im Waffeninneren wird zunehmend schlechter. 4. Variante # 66000 - etwa # 85000 Alles wie gehabt, lediglich der bisher außenliegende Unterbrecher fällt jetzt weg. Ab etwa # 70000 weisen alle nachfolgenden Waffen ein "langes" stromlinienförmiges Korn auf, welches die Pistole noch etwas eleganter wirken lässt. Die höchste bisher registrierte # ist nach Still # 84134, eine militärisch abgenommene Pistole. Da früheste Waffen sowie die letzte Pistole jeweils Militärstempelungen des Kaiserreiches aufweisen, ist der Fertigungszeitraum fest umrissen. Oft wird geschrieben, dass es keine "zivile" Langenhans gegeben haben soll, was eindeutig falsch ist. Besonders im niedrigen #-Bereich bis etwa # 2500 und im hohen # - Bereich ab etwa # 66500 an treten auch vermehrt nichtmilitärisch abgenommene F.L. Selbstlader auf. Bei der Gegenüberstellung der von mir erfassten Pistolen ergibt sich eine "zivile" Produktionsmenge von ungefähr 10% bis 15%. In den 80er Jahren inportierte ein befreundeter Waffenhändler z.B. einige dieser "zivilen" Pistolen aus Schweden. Es sind auch Modelle mit der Zusatzstempelung "Germany" aus USA-Exporten nachgewiesen. Zhuk / Brukner zeigen auf S.106 eine "zivile" Ausführung mit kürzerem Lauf und kleinerem Magazin. Ein derartiges Exemplar ist aber meines Wissens nach bisher noch nicht fotografisch belegt worden. Auch lange nach Produktionsende tauchten die F.L. Selbstlader noch bis in die 30er Jahre in Verkaufslisten auf. Immer wieder ist zu lesen, dass die Langenhahn aufgrund der Verschluss-Schlitten-Konstruktion gefährlich sei, da der den Verschlussblock blockierende Kimmenriegel nach unbemerktem Lösen der großen Fixierungsschraube hochklappen könnte, woraufhin der Verschlussblock dem Schützen beim Schuss ins Gesicht geschleudert werden kann. Selten ist solch ein Unsinn zum Thema Waffen geschrieben worden. Fakt ist, dass sich Langenhan dieses pfiffige System hat patentieren lassen und er lag mit seiner Konstruktion aus praktischen Gründen absolut richtig, denn eine "feldmäßige" Demontage dieser Pistole ist wirklich ruck zuck durchgeführt, außerdem besteht diese Waffe nur aus relativ wenigen Teilen und der Lauf ist fest im Rahmen verschraubt. Diese ominöse Schraube hat zum Einen ein recht langes Gewinde und bei Schussversuchen lockerte sich selbst bei nur handfest angezogener Schraube da gar nichts. Ich kann mir auch keine realistische Situation vorstellen, in der man mit einer solchen Selbstverteidigungswaffe entsprechend große Schussserien abgeben müsste, um diese Schraube unbemerkt komplett lösen zu können. Nach dem 1. Weltkrieg brachte Langenhan noch zwei weitere Taschenpistolen im Kal. 6,35mm heraus, die recht schlicht mit Modell 2 und Modell 3 bezeichnet worden sind. Sie ähneln zwar vom Erscheinungsbild sehr dem F.L. Selbstlader, sind aber unterschiedlich aufgebaut. Abschließend muss noch festgehalten werden, dass diese Pistole in Sammlerkreisen sehr begehrt ist. Stücke in sehr gutem Zustand sind relativ selten. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen tauchen die frühen Modelle der 1. Variante und die späten "stromlinienförmigen" Stücke nur sehr selten auf dem Sammlermarkt auf. armandvis |
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MFF Experte für Deutsche Kurzwaffen ab 1871
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Bilder der dritten Variante.
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